Was ist KOP?

Ziel von KOP ist es, auf verschiedenen Ebenen institutionellem Rassismus entgegenzutreten und damit den rassistischen Normalzustand zu durchbrechen. Konkret befassen sich die Gruppen unter anderem mit der Polizeipraxis des Racial Profiling -, der Dokumentation und Aufklärung rassistischer Polizeiangriffe und -übergriffe sowie der Begleitung der Opfer und die Vermittlung zu Beratungsstellen.

Unsere Ziele sind:

  • die Position der Betroffenen und der Opfer stärken
  • die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren
  • die Systematik im Vorgehen von Polizei und Justiz offenlegen
  • die Verantwortlichkeit der Polizei benennen, sie konfrontieren und unter Druck setzen

Hintergründe

Menschen, die in das rassistische Raster der Polizei durch vermeintliche Herkunft oder Merkmale wie Hautfarbe und Sprache fallen, erleben immer wieder ähnliche Szenarien. Unbegründete Passkontrollen, Aggressionen der Beamt_innen, diskriminierende Beschimpfungen und Beleidigungen, gewaltsame Festnahmen, Misshandlungen und Übergriffe. Menschen, die Opfer dieser Situationen werden, haben sich häufig schon an die rassistische Behandlung seitens der Polizei gewöhnt. Für viele scheint es von vornherein aussichtslos, gegen Polizeibeamt_innen juristisch vorzugehen, weil sie die Erfahrung machen, dass ihnen vor Gericht nicht geglaubt wird. Viele scheuen sich aber auch, gegen die Polizei vorzugehen, da ihr Aufenthaltsstatus nicht sicher ist oder sie wegen polizeilichen Misshandlungen großer psychischer Belastung ausgesetzt sind. Außerdem stehen die Opfer vor Polizei und Gericht meist selbst als Beschuldigte dar, weil die Polizei aufgrund ihrer Definitionsmacht die Übergriffe rechtfertigt und behauptet, sie selbst sei angegriffen und provoziert worden.

KOP stellt sich entschieden gegen die Legende vom bedauerlichen „Einzellfall“, wonach rassistische Polizeiangriffe und -übergriffe eine Ausnahme darstellten, die von wenigen Polizist_innen verübt würden. Denn die Praxis der Polizei basiert auch auf Gesetzen, Verordnungen und Anweisungen: verdachtsunabhängige Kontrollen, Schleierfahndung, Anti-Terrorgesetzgebung und Residenzpflicht bilden nur einige gesetzliche Grundlagen. Institutionalisierter Rassismus findet in der polizeilichen Praxis einen starken Ausdruck im Racial Profiling, einem Kernthema der Arbeit von KOP. Wir sprechen von Racial Profiling, wenn Polizist_innen keine spezifische Verdächtigenbeschreibung haben und entscheiden, jemanden anzuhalten, zu durchsuchen, zu befragen oder zu verhaften, weil ihnen diese Person wegen ihrer vermeintlichen Herkunft oder Merkmalen wie Hautfarbe und Sprache verdächtig erscheint.

Was tun wir?

Dem Racial Profiling stellen wir uns entgegen! Die systematische Verschleierung unverhältnismäßigen Handelns durch Anzeigen gegen die Opfer, Einstellungen von Ermittlungsverfahren und Nicht-Verurteilung der Täter_innen muss aufgedeckt werden. Wir setzen der Ohnmachtssituation eines Übergriffs praktische Solidarität mit den Opfern entgegen. Dazu vermittelt KOP Opfer rassistischer Polizeigewalt zu Beratungsstellen, Anwält_innen und Psycholog_innen. Darüber hinaus bieten wir eine Prozessbegleitung und -beobachtung an, um den Opfern auch bei Gericht zur Seite zu stehen. Wir stehen dabei parteiisch an der Seite der Opfer und unterstützen sie bei den Schritten, die sie ergreifen wollen. Dies tun wir auch bei den Prozessen, die vielen Opfern durch (Gegen-)Anzeigen aufgezwungen werden.

Um die Ausmaße rassistischer Polizeigewalt sichtbar zu machen, dokumentieren die KOP-Gruppen die regional bekannt geworden Fälle von rassistischer Polizeigewalt auf ihren Internetseiten. Darüber hinaus informiert KOP Zeug_innen, Opfer und Betroffene über ihre Möglichkeiten zur Gegenwehr. Um eine breite Öffentlichkeit für das Thema zu schaffen, bezieht KOP zudem gemeinsam mit den Betroffenen und Opfern auf Informations- und Diskussionsveranstaltungen Stellung. Darüber hinaus organisieren die KOP-Gruppen Soli-Parties und -konzerte und sammeln Geld für den Rechtshilfefonds.

Der Rechtshilfefonds dient in diesem Rahmen der finanziellen Unterstützung der Opfer und soll es ihnen ermöglichen, sich gegen das ihnen zugefügte Unrecht auf juristischem Weg oder/und Öffentlichkeitsarbeit zu wehren. Indem die Opfer ihre Ansprüche auch juristisch durchsetzen können, wird zum einen der permanente Rechtsbruch durch Racial Profiling sichtbar gemacht und zum anderen eine Lobby für Betroffene und Opfer rassistischer Polizeipraxis geschaffen. Auf dieser Ebene kann auch das öffentliche Bild der Mitschuld der Opfer in Frage gestellt werden.

Wie könnt Ihr uns unterstützen?

KOP wird ausschließlich durch freiwillige unentgeltlich arbeitende Aktivist_innen getragen.

KOP muss mehr werden!
Gründet Gruppen vor Ort und vernetzt euch! KOP wünscht sich überregionale Kooperationen mit euch.
Werdet bei den lokalen Kampagnen aktiv!
Helft uns gemeinsam mit Opfern und Betroffenen Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Das Thema muss im öffentlichen Bewusstsein bleiben.
Erzählt Betroffenen und Opfern von KOP!
Sammelt Geld und spendet!
Gebt uns Räume, gebt uns Bands, gebt uns Tresen! Durch gute Musik, gute Getränke und gute Stimmung macht politische Arbeit Spaß und der Rechtshilfefonds kann erhalten bleiben. Alle Spenden werden ausschließlich für die Unterstützung der Opfer und der Betroffenen eingesetzt. Weitere Informationen gibt es auf Anfrage.

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People, who find themselves in the focus of police interest because of attributes like their skin color, their language or their (supposed) different place of birth, face the same recurring scenarios. Causeless Passport controls, aggressive behavior of police officers, discriminatory defamation and insults, violent arrests, physical abuse and assaults. For the affected people racist police behavior has become common practice. Many do not defend themselves, either because it seems hopeless to take legal action against police officers in the first place or because of reasons concerning the residence permit status or because of mental damages caused by a police assault.

For ten years in Berlin and for two years in Dresden „KOP“ supports people who are affected by racist police action. We want to initiate such a campaign in Bremen as well. The goal of the campaign will initially be to raise public awareness for the problem and to strengthen the position of the victims. In the long run we strive to open counseling facilities and to create networks in order to facilitate access to legal and psychological help for affected people.